Stellen Sie sich vor, Sie haben ein virtuelles Team, das sogar international über verschiedene Standorte verteilt ist. Hier kommen einige Machtfaktoren zum Tragen, die die Motivation im virtuellen Team entscheidend beeinflussen kann.

Die Motivation in virtuellen Teams proaktiv sicherzustellen ist gleichzeitig eine der wichtigsten Führungsaufgaben für Führungskräfte mit virtuellen Teams. Ungleiche Einflussmöglichkeiten der einzelnen Teammitglieder sollten daher unbedingt genau analysiert und reflektiert werden, um entsprechende wirksame Gegenmaßnahmen zu treffen.

Lassen Sie uns also genau betrachten, inwieweit welche Faktoren die Motivation im virtuellen Team positiv oder negativ beeinflussen können.

Machtfaktoren und Ungleichgewicht beeinflusst Motivation in virtuellen Teams

Die kulturelle und die Standortverteilung eines virtuellen Teams kann einigen Teammitgliedern mehr Vorteile bieten als anderen. Diese Vorteile bezeichnen wir hier als Machtfaktoren. Diese Machtfaktoren entscheiden, wie sehr sich jedes einzelne Teammitglied im virtuellen Team mit seinem vollen Potenzial einbringen kann. Und nur, wenn man sich einbringen kann, fühlt man sich auch motiviert. Das vorherrschende Gleichgewicht bzw. Ungleichgewicht ist also mit entscheidend für die Motivation im virtuellen Team.

Einige dieser Machtfaktoren in virtuellen Teams möchte ich Ihnen hier beispielhaft kurz vorstellen.

Machtfaktor Muttesprachler

Mitarbeiter, für die die Arbeitssprache die Muttersprache ist, können sich besser ausdrücken und werden oft als kompetenter wahrgenommen. Hier besteht die Gefahr, dass Muttersprachler Meetings dominieren und stärker wahrgenommen werden als ihre virtuellen Teamkollegen, die keine Muttersprachler sind. Die Nicht-Muttersprachler können sich damit zurückgesetzt fühlen und ihre Motivation im virtuellen Team sinkt.

Machtfaktor phyische und kulturelle Nähe zum Teamleiter

Mitarbeiter in virtuellen Teams, die die gleiche Muttersprache sprechen wie der Teamleiter oder die sogar die gleiche Nationalität haben, könnten vom Teamleiter mehr gehört werden, da „man sich einfach besser versteht„.

Ebenso könnte es sein, dass die deutsche Teamleiterin eines virtuellen Teams mit einem dänischen und einem amerikanischen Mitarbeiter am Standort in Waiblingen sitzt, während die anderen vier Mitarbeiter vereinzelt an den Standorten Berlin, Paris, Madrid und Mailand sitzen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Teamleiterin durch den ständigen Austausch mit ihrem beiden Mitarbeitern in Waiblingen diese eher um Rat fragt und deren Meinungen mehr schätzt.

Aus der physischen Distanz zu ihren Mitarbeitern an den entfernt liegenden Standorten kann schnell eine emotionale Distanz werden. Und diese emotionale Distanz zur Teamleiterin kann die Motivation im virtuellen Team empflindlich stören.

Machtfaktor Mehrheit

Mitarbeiter, die in einer größeren Gruppe zusammen an einem Standort sitzen, können sich zwischendurch besser austauschen und kennen sich in der Regel besser. Hier passiert es oft, dass diese Mitarbeiter im virtuellen Team mit einer „geballten Macht“ ins Teammeeting kommen, da sie zwischendurch bestimmte Themen schon besprochen haben.

Denn Menschen fühlen sich sicherer, wenn sie Themen bereits mit ihresgleichen diskutiert haben und wissen, dass die anderen ähnlich denken.

Isoliert sitzende Mitarbeiter haben so vielleicht weniger Möglichkeiten, sich im Team einzubringen und Gehör zu finden. Ihre Motivation wird im virtuellen Team eher sinken.

Ähnliche Effekte können zum Tragen kommen, wenn in einem Team eine kulturelle Mehrheit existiert, wie zum Beispiel in einem von einem Belgier geleiteten Team, bestehend aus sechs Deutschen, einem Italiener, einem Franzosen und einem Amerikaner. Hier bilden die Deutschen die kulturelle Mehrheit. Selbst wenn die Deutschen nicht an einem Standort sitzen, werden sie vermutlich Fragen eher untereinander klären, da das in der Muttersprache passieren kann und man weniger „Rücksicht“ auf andere kulturelle Kommunikationsgewohnheiten nehmen muss.

Erlebte Unwirksamkeit demotiviert

Wenn Teammitglieder durch so ein Ungleichgewicht im virtuellen Team das Gefühl bekommen, weniger gehört zu werden, kann das schnell in Demotivation umschlagen. Und viele Teamleiter bekommen das viel zu spät erst mit, da sie nicht mit den demotivierten Mitarbeitern an einem Standort sitzen.

Teamleiter tun also gut daran, diesem Ungleichgewicht proaktiv entgegenzuwirken, um die Motivation ihrer virtuellen Teams sicherzustellen. Das tun sie, indem sie ihr eigenes Verhalten gut reflektieren, ihr Team gut von der Machtstruktur her analyisieren und dann gezielte Gegenmaßnahmen treffen.

Gegenmaßnahmen könnten z. B. sein, regelmäßge Jours fixes mit den „schwächeren Teammitgliedern“ abzuhalten sowie Muttersprachler im virtuellen Teammeeting anzuhalten, langsam und deutlich zu sprechen.

Wenn Sie ein virtuelles Team führen und es trotz der Distanz und eventuellen Ungleichheit motivieren wollen, dann empfehle ich Ihnen meinen Online-Kurs Führen von virtuellen Teams, der demnächst zur Verfügung gestellt wird: Learn4Business Kurse.

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